Hallo,
da ich bei meinen älteren Audis (A4 B6 und B7; TT) jetzt gerade mal wieder das bekannte Stellmotorproblem hatte bin ich auf diesen recht guten Beitrag gestoßen.
Für die vielen Betroffenen, die da in Zukunft noch drauf stoßen werden, hier noch ein paar Anmerkungen, deren Ermittlung mich sinnlose Stunden gekostet hatte:
- im Wesentlichen kann ich die obigen Angaben bestätigen, die sind auch schön detailliert
- die Grundeinstellung mittels VCDS ("anlernen") erfolgt dabei nicht per Regelung (wie Rainer oben schon richtig bemerkt hatte), sondern durch ein zweimaliges rein zeitgesteuertes Verfahren bis in die Anschläge; dort wird dann offensichtlich ein erhöhter Strom sensiert und diese Anschlagposition gespeichert
- Defekte dürften fast ausschließlich auf die Potis zurückgehen. Die Ausfallquote nach 10 bis 15 Jahren dürfte wohl an die 100% liegen. Viele Defekte werden gar nicht oder erst spät bemerkt, da eine Teilfunktion oft noch lange besteht.
- Ob das nur Verschmutzung ist oder auch Verschleiß der Schleifbahn ist schwer zu sagen. Ich habe bisher einige geöffnet (grüne, blaue und weiße), bei manchen war es vielleicht auch Verschleiß; ein Reinigungsversuch lohnt sich aber in der Regel. Achtung: als erstes vor Demontage die Lage des eingesteckten Hebels markieren, böse Falle, s.u. Dieser ist straff eingeclipst, mit dünnem Schraubenzieher vorsichtig links und rechts etwas hochhebeln. Geht aber ganz gut.
- zum Öffnen der Potis die Deckscheibe nach und nach wegbrechen; wenn wie auf dem Bild auch der Kranz zur Mitte wegbricht, ermöglicht das zwar den totalen Ausbau, aber man bekommt den Schleifer dann kaum noch richtig fest; man kann den Schleifring aber auch reinigen, ohne alles auszubrechen: ein Wattestäbchen in ein offenes Segment stecken. Allerdings kommt man an den fixen Schleifpunkt zm Abgriff des Schleifer Richtung Anschluß so nicht ran, weiß aber auch nicht, ob der anfällig ist. Achtung: es gibt gemeinerweise (wohl aber selten) Potis, bei denen der Schleifer von unten am Deckel befestigt ist. Die sind dann halt nach dem Wegbrechen unbrauchbar.
- bei den Potis handelt es sich um Teile des spanischen Herstellers Piher (ggfs. auch andere) mit einem Nennwiderstand von 4,7kOhm. Ich habe aber von 4,5 bis 5,2 schon alles gemessen, wobei es hier auf Genauigkeit nicht ankommt. Wie oben schon zutreffend geschrieben ist die Schleifbahn nicht über den üblichen Winkel von 270° linear sondern nur über den hier relevanten Arbeitsbereich von (geschätzt) 110°. Es gibt Versionen bei denen man dies an der abgesetzten Farbe der Schleifbahn gut sehen kann (nicht bei der oben abgebildeten).
- nun zum wichtigsten Punkt: ich habe über die Jahre mehrfach intensiv gesucht, ob man diese Potis einzeln bekommt. Denn es ist ärgerlich, bei Audi etc. um die 90.- für einen Motor zahlen zu müssen, wenn nur innendrin ein Kleinteil defekt ist, was im Einkauf wohl mal unter 50 ct gekostet hatte und da auch noch simpel austauschbar ist. Wie so oft bietet Audi leider trotz hundertausender verbauter Murksteile hier keine faire Ersatzteillösung an, was man als Kunde in dem Fall erwarten dürfte, da die das selbst verbockt haben. Dies ist ja kein normaler Verschleiß. Nun habe ich aus aktuellem Anlaß mal wieder kreativ recherchiert und bin fündig geworden! Ihr bekommt die Potis bei Chinesen unter AliExpress. Sucht dort nach Piher 4,7kOhm o.ä.. Achtung: dort werden min. 3 verschiedene Versionen angeboten. Die mit der dickeren Brücke unten über den Steckkontakten passen meist nicht direkt (wenn überhaupt irgendwo). Da kann man aber mit dem Cuttermesser etwas im Gehäuse wegschneiden. Leider hatte ich zuerst diese bestellt

, die vermutlich genau passenden bekomme ich erst in Kürze geliefert. Dies wären die mit den dünneren gekrümmten Steg unten, meist sind die grün. Elektrisch gehen die aber alle.
Die Chinesen bieten die teils als "Originalteil" an. Es wäre durchaus möglich, daß Piher dieses Billigzeug schon immer in China fertigen lässt. Und am Wochenende von der Belegschaft illegal originale Teile für die eigene Tasche gefertigt werden. Kommt wohl auch bei anderen Produkten immer wieder vor. Ich bin kein großer Freund von China-Teilen, aber da es hier die einzige Bezugsmöglichkeit ist hatte ich es mal probiert.
- und noch ein wichtiger Punkt: der Zusammenbau. Wenn nur das Poti draußen war dann gibt es "nur" 2 Möglichkeiten zum Wiedereinbau. Am Besten vorher den Widerstandswert links und rechts vom Schleifer abgreifen und dann nach Einbau prüfen (vor Schließen des Gehäuses!) und ggfs. dann nochmal Poti abziehen und Schleifer um 180° drehen. Wenn alles zerlegt war ist es fast erstmal schon egal, wie man es montiert, dann aber folgendes beachten. Der Antrieb (Motor, Zwischenwelle) sind frei drehbar und haben keine definierte Lage. Das Ritzel so ausrichten, daß die eckige Aussparung in der Öffnung für den Hebel nach links oder rechts zeigt, wenn die lange Kante des Gehäuses nach unten liegt. Dann Poti so einlegen, daß der Schleifer in Mittelstellung im Arbeitsbereich liegt. Gggfs Widerstand wieder messen oder per VCDS Istwert suchen: der liegt dann um 125. Den Hebel richtig aufstecken ist auch tricky: der hat theoretisch 4 (evtl sogar bis 6) Stellungen, aber nur 2, wo in der Öffnung die Nasen vom Hebel einrasten können. Einfach mal genau reinschauen, es wird dann schon klar. Leider hatte ich (A4, linke Heizungsklappe) die richtige Position gleich als unlogisch ausgeschlossen, weil dann der Hebel über dem Anschlag gesessen hätte. Und ich hatte zuerst Stunden mit mehreren alten Motoren kniend neben der Fahrertür verbracht und mich gewundert, warum immer wieder die Adaptionsgrenzen überschritten wurden. Also vorher markieren oder an den Anschlagflächen genau schauen, ob der Anschlag dort von innen oder außen gedrückt hatte. Auf jeden Fall vor Einbau des Stellmotores nur am Kabel hängend eine Grundeinstellung durchführen (Hebel muss zwingend aufgesteckt sein) und erst endgültig montieren, wenn die Werte vernünftig aussehen, sonst kann man den evtl mehrfach ausbauen.
Viel Erfolg damit