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Leuchtweitenregulierung, Scheinwerfereinstellung (Fachartikel)

 
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Leuchtweitenregulierung, Scheinwerfereinstellung
Octavia_4x4 Beitrag16-11-2010, 17:32  
Wissenswertes rund um die Leuchtweitenregulierung und Tipps zur Licht-Einstellung

Der folgende Artikel verwendet VCDS für die Diagnosearbeiten, erhältlich im Dieselschrauber VCDS Shop: https://shop.dieselschrauber.org/vcds-c-23.php

1. Verschiedene Leuchtweitenregulierungsarten
1.1. Manuelle, nicht elektrische Leuchtweitenregulierung
Rein manuelles Verstellen der Scheinwerfer direkt am Scheinwerfer über Stellrädchen oder Stellschrauben. Seit 01.01.1990 nicht mehr bei in Deutschland erstzugelassenen Fahrzeugen erlaubt (alte Golf II hatten dieses System noch). Vereinzelt kommt das System so noch bei EU-Reimporten älteren Baujahrs (z.B. VW Vento, wenn aus Italien oder Österreich bestellt) vor.

Einstellung erfolgt wie unten beschrieben.


1.2. Elektrische Leuchtweitenregulierung (LWR)
Elektrische Leuchtweitenregulierung mittels Stellrädchen im Armaturenbrett. Die Scheinwerfer werden in der Nullage des LWR-Reglers im A-Brett korrekt eingestellt. Danach ist über das Stellrädchen ein Herunterfahren der Scheinwerfer bei Beladung möglich.

Funktionsweise: Im LWR-Steller ist ein Schiebepotentiometer integriert sowie eine kleine Steuerungselektronik (Vereinzelt sitzt diese bei manchen Fahrzeugen auch im Drehregler). Der Drehregler selbst ist ebenfalls ein Potentiometer. Die eingestellte Neigungszahl ergibt somit einen bestimmten Widerstand des Drehreglerpotentiometers - die Elektronik stellt den Steller solange, bis dessen Widerstandswert mit dem des Drehreglers übereinstimmt.

Eine automatische oder gar dynamische Regulierung bei Beladungsänderung erfolgt NICHT, es muss immer manuell geregelt werden.

Komponentenübersicht schematisch:
. LWR-Steller mit Potentiometer im Scheinwerfer
. Verkabelung zum LWR-Steller im Armaturenbrett
. LWR-Steller mit Potentiometer im Scheinwerfer
. Scheinwerferplus (Plusversorgung wenn Abblendlicht an) am LWR-Steller


Verwendungsbereich: Halogenscheinwerfer


1.3. Automatische Leuchtweitenregulierung (ALWR)
Die ALWR verfügt meist über einen, vereinzelt auch über 2 Sensorgeber an Vorder- und/oder Hinterachse, welche den Einfederungswinkel bestimmen. Geregelt wird über ein separates Leuchtweitensteuergerät, welches im Endeffekt ähnlich der Funktionsweise der normalen LWR einen Abgleich des Achssensors und des Wertes des ALWR-Stellers im Scheinwerfer durchführt.

Einziger Unterschied, es wird automatisch geregelt. Es erfolgt nur eine einmalige oder bei manchen Fahrzeugen auch konstante, aber sehr träge Nachregelung von Änderungszuständen. Ein permanenter Ausgleich jeder Fahrzeugbewegung erfolgt NICHT.

Als Nachrüstlösung bietet HELLA eine ALWR an, diese funktioniert über einen Ultraschallsensor an der Hinterachse, welcher einmalig direkt nach dem Einschalten des Lichts den Abstand zwischen Hinterachse und Boden ermittelt, diesen mit dem gespeicherten Nullwert vergleicht und gegebenenfalls die Scheinwerfereinstellung korrigiert.


Komponentenübersicht schematisch:
. LWR-Steller mit Potentiometer im Scheinwerfer
. Verkabelung zum ALWR-Steuergerät
. Potentiometer-Sensoren an Vorder- und/ oder Hinterachse


Verwendungsbereich: Fahrzeuge ab 01.01.2000 mit Xenonscheinwerfern oder als Nachrüstlösung auch zulässig für Halogenscheinwerfer


HINWEIS: Für Fahrzeuge mit Xenonscheinwerfern gilt nur eine Pflicht für die ALWR, nicht jedoch für die nachstehend in 1.4. beschriebene dynamische LWR!


1.4. Dynamische Leuchtweitenregulierung (DLWR)
Die dynamische Leuchtweitenregulierung ist die modernste Leuchtweitenregulierung. Sie funktioniert wie die in 1.3. beschriebene automatische LWR, nur dass anstatt der normalen LWR-Steller Schrittmotoren mit Potentiometer eingebaut sind. Diese regeln permanent jegliche Fahrbahnunebenheiten, Nickbewegungen durch Gasgeben oder Bremsen etc. aus und ermöglichen so die optimale Sicht und optimales Verhindern von Blendreflexen.

Zu erkennen an Xenonscheinwerfern, die direkt nach dem Einschalten einmal hoch- und herunterfahren, um die Nulllagenkalibration durchzuführen.

Auch in Verbindung mit Kurvenlicht!


Komponentenübersicht schematisch:
. LWR-Schrittmotoren mit Potentiometer im Scheinwerfer
. Verkabelung zum DLWR-Steuergerät
. Potentiometer-Sensoren an Vorder- und Hinterachse


Verwendungsbereich: Fahrzeuge ab 01.01.2000 mit Xenonscheinwerfern


2. Die Einstellung der Scheinwerfer


2.1. Einstellung mit LWR

. Fahrzeug ist vollgetankt
. Fahrzeug wurde vorne und hinten durchgefedert
. Fahrzeug steht eben
. LWR-Regler auf "0" (zur Vermeidung von Ungenauigkeiten ratsam, den Steller einmal auf höchsten Wert zu drehen und dann wieder zurück auf "0" und die Scheinwerfersteller so den gesamten Bereich abfahren zu lassen)


Nun die Scheinwerfer mit dem Einstellgerät so einstellen, dass ein Bild wie in Scheinwerfereinstellung.png erreicht wird.

Jeder Scheinwerfer verfügt über 2 Stellschrauben, eine für die Höhe, einen für die Seitenverstellung der Linse.


Es ist empfehlenswert, zuerst die Seitenverstellung so einzustellen, dass der Knickpunkt des Lichtkegels genau auf, senkrecht über oder senkrecht unter dem markierten Punkt der Einstelllinie im Scheinwerfereinstellgerät liegt.

Danach dann den Scheinwerfer so in der Höhe einstellen, dass die Linie mit der Lichtkante fluchtet.


Wichtig hier: Abstand vom Fahrzeug ca. 30-75cm, Einstellgerät parallel zum Fahrzeug stellen und den auf dem Scheinwerfer aufgedruckten Neigungswinkel (1,0% / 1,2%) beachten und am Einstellgerät einstellen.


2.2. Einstellung für ALWR und DLWR


. Fahrzeug ist vollgetankt
. Fahrzeug wurde vorne und hinten durchgefedert
. Fahrzeug steht eben
. Über Diagnosesoftware VCDS das LWR-Steuergerät in den Grundeinstellungsmodus setzen ("Regellage erlernen") z.B. https://community.dieselschrauber.org/viewtopic.php?t=4344


Beispiel Golf IV zur Regellage:

Zitat:
Mit VCDS STG 55 (Leuchtweitenregulierung) auswählen
STG Messwertgruppen -> Funktion 08

Messwertgruppe 000

Gehe zu Grundeinstellung



Danach werden die Scheinwerfer wie bei der normalen LWR eingestellt.



2.3. Einstellung, wenn kein Einstellgerät zur Hand ist


Eine prinzipielle Einstellung frei Hand ist auch möglich, wenn man eine weiße Wand und eine ebene Fläche davor hat.

Hier empfiehlt es sich, das Fahrzeug in 10m Entfernung im 90°-Winkel zur Wand zu parken. Die übrigen Bedingungen (vollgetankt, durchgefedert etc.) sind ebenfalls zu erfüllen.


Danach sind folgende Messwerte nötig:

. Höhe zwischen Boden und dem Lampenkolben / Mitte der Glaslinse bei Linsenscheinwerfern.
. Neigungsfaktor auf dem Scheinwerfer (z.B. 1% oder 1,2%)


Zuerst empfiehlt es sich, die gewünschte Links-rechts-Neigung der Scheinwerfer einzustellen. Hierfür einen 90°-Winkel zwischen Leuchtmittel und Wand anzeichnen wie in LWR1.png gezeigt.

Hiermit erhält man den "schwarzen Mittelpunkt" im obigen Abbild des Scheinwerfereinstellgeräts. Für beide Scheinwerfer so durchzuführen.

Nun ist die erforderliche Höhe zu errechnen, Beispiel:

. Fahrzeug mit 1% Neigung (d.h. 1cm pro 100cm Entfernung)
. Scheinwerfermittelpunktshöhe am Fzg. 100cm

=> in 10m Entfernung ist eine Höhe von: 100cm - (10 * 1cm) = 90cm anzuzeichnen.


Damit einfach auf der Wand mit Kreppband eine waagrechte Linie (Wasserwaage) in der Höhe 90cm (oder eben der errechneten Höhe) anzeichnen, den bereits angezeichneten Mittelpunkt senkrecht auf die Gerade verschieben und dann die Scheinwerfer wie gehabt einstellen.


Natürlich geht's auch mit 1m, 3m oder 5m Wandabstand, man muss halt dementsprechend umrechnen. Je weiter, umso genauer wird es aber. 1m halte ich wegen der 1cm nicht für sinnvoll.



Scheinwerfereinstellung.png
 Beschreibung:
 Einstellung der Scheinwerfer
 Dateigröße:  3,57 KB
 Angeschaut:  87 mal

Scheinwerfereinstellung.png


LWR1.png
 Beschreibung:
 Links-Rechts-Neigung der Scheinwerfer einzustellen. Hierfür einen 90°-Winkel zwischen Leuchtmittel und Wand anzeichnen.
 Dateigröße:  5,2 KB
 Angeschaut:  61445 mal

LWR1.png



Zuletzt bearbeitet am 09-07-2022, 10:31, insgesamt 1-mal bearbeitet.
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