OBD Shop
OBD
Dieselschrauber Community - Technik, Reparatur und Wartung an Audi, Seat, Skoda und Volkswagen. Support für VCDS, PoCOM und KOBD2Check (OBD2).

Die Geschichte vom Luftmassenmesser

 
Neues Thema beginnen Auf Beitrag antworten Weitergeben, Thema teilen Lesezeichen setzen Druckansicht Dieselschrauber Community - Übersicht » Diesel - Motorentechnik
Autor Nachricht
mcgregg
Blaumann
Blaumann


KFZ-Schrauber seit: 17.01.2003
Beiträge: 142
Karma: +7 / -1   Danke, gefällt mir!


Premium Support

Beitrag22-09-2003, 22:27    Titel: Die Geschichte vom Luftmassenmesser Antworten mit Zitat

Es war einmal an der Zeit, daß ein findiger Kopf auf den Gedanken kam, daß mit dem altehrwüdigen Vergaser das Ende der Entwicklung zum Thema Gemischaufbereitung noch nicht erreicht sei. Also ersann er eine relativ einfach gestrickte mechanische Benzineinspritzung, die auch in relativ preiswerten Fahrzeugen, z.B. dem Golf I GTI Verwendung fand. Diese Einspritzung funktionierte auch recht zuverlässig und war dem Vergaser, mal abgesehen vom Preis, deutlich überlegen. Das Ganze nannte sich K-Jetronic und kam von Bosch. Die Einspritzmenge wurde über eine Klappe im Ansaugluftstrom des Motors, die auf ein Ventil wirkte, gesteuert.

Dann kamen die Katalysatoren, und um sie bei Lambda 1 effektiv arbeiten zu lassen, ergänzte man die K-Jetronic um ein elektronisches Stellglied. Auch das funktionierte recht zuverlässig. Parallel dazu zeichnete sich allerdings die nächste Entwicklungsstufe ab. Es gab elektronische Einspritzventile, die über ein Steuergerät betätigt wurden. Das Signal hierfür kam wieder über eine Klappe im Ansaugluftstrom, die jetzt jedoch ein Potientometer betätigte. Auch dieses, L-Jetronik genannte System, funktionierte zur Entzückung der werten Kundschaft äußerst zuverlässig.

"Weg mit der Mechanik" dachte sich ein weiterer findiger Kopf und schwupp, war der Hitzdraht Luftmassenmesser geboren. Ein Draht im Ansaugluftstrom kühlte je nach vorbeiströmender Luftmasse ab, und schon war das wichtigste Signal für die Einspritzmenge da. Jetzt konnte man sich sogar den Temperaturfühler der L-Jetronik sparen, denn Temperaturschwankungen wirkten sich auch entsprechend auf das Ausgangssignal des Hitzdrahtes aus. Und wieder funktionierte das System, die Kundschaft war begeistert, sofern sie sich mit der Eispritzanlage beschäftige und realisierte, wie ausgeklügelt und denoch genial zuverlässig das Ganze funktionierte.

Es kam ein schwarzer Tag, an dem sich jemand überlegte, wie man den Gewinn von Werkstätten optimieren und den Absatz von Luftmassenmessern in ungeahnte Höhen treiben könnte. Aus diesem bösen Gedankengut entsprang der Heißfilmluftmassenmesser. Dieser produzierte die skurilsten Motorprobleme, wurde zu allem Überfluß sogar in Dieselmotoren verbaut und trieb die frustrierten Kunden in Scharen in die Vertragswerkstätten und Boschdienste. Trotz ach so fortschrittlicher On-Board-Diagnose ließ sich der defekte Heißfilm-Lmm meistens nicht auf Anhieb als Störungsursache dingfest machen. Die Werkstätten hatten wieder regen Zulauf, KFZ-Meister konnten sich mit Computer-Diagnosen richtig wichtig machen und der Abstatz von fehlkonstruierten LMM stieg ins unermeßliche.

Und die Moral von der Geschichte? Leute ich bin SAUER! icon_evil.gif

mcgregg
Nach oben KFZ-Schrauber-Profil anzeigen Private Nachricht senden  
garth.brooks
Gast




 


Kostenloser Account, kein OBD Support (VCDS, KOBD2Check)

Beitrag23-09-2003, 14:11    Titel: Gesamtkonzept Antworten mit Zitat

Hi McGregg,

das Problem ist : du hast das Gesamtkonzept nicht verstanden.

Überleg doch mal. Früher war was kaputt, das hat man meist auch deutlich gesehen, und deshalb wurde es getauscht. (Unterbrecher, Gaszug...)
Es war auch jede Menge Zeug turnusmäßig oft zuwechseln. ( Zündkerzen, Öl, Luftfilter alle 7500KM.)
Die Werkstätten hatten zu tun und waren glücklich und zufrieden. Wer Traktoren reparieren konnte konnte das auch mit Autos, wenn er Kraft hatte auch umgekehrt.
Elektrisch war das Licht, die Hupe die Zündung und Schluss.

Heute : Öl muß teilweise nur alle 30ZKm raus, Zündkerzen halten ewig, Getriebeöle werden gar nicht mehr gewechselt etc ( damit auch noch ein paar Automatikgetriebe verkauft werden können, wird das Öl neuerdings an diesen auch nicht mehr gewechselt.
Und die Härte : Damit man nicht selber wechselt weigert sich Audi beharrlich Ölsorte und Füllmenge mitzuteilen ! )

Heute gehen Sachen kaputt die immer noch aussehen wie neu, ( Sensoren LMM) und von denen keiner weis ob sie wirklich kaputt sind, am wenigsten derjenge der Sie tauscht.
( Siehe EBAY, nagelneuer Turbolader, ESP, Steuergerät günstig ....)
In einem Mittelklasse-auto ist einige 100 mal mehr Rechenleistung verbaut als die Amis für das Apollo-programm zur Verfügung hatten. Das ( zumindest oft ) gewartet von Leuten die auf einem 240er Diesel, Renault R4 oderwasauchimmer gelernt haben.

Was glaubst du wie froh die sind wenn es Teile gibt die erst mal gewechselt werden, bevor man sich mit dem Problem richtig beschäftigen muss?
( z.B. ein Posting hier im Forum daß ein LMM anstatt dem Luftfilter gewechselt wurde ...)
Wenn das dann nach vielen Rechnungen dem Kunden noch nicht geholfen hat, sucht der sich eh ne andere Werkstatt und man ist das Problem mitsamt Nörgler (=Kunde) los.
Von Systemen die immer zuverlässiger werden können und wollen die nicht leben.
Also werden einfach einige bekannte Probleme ignoriert, speziell wenn es sich um Teile handelt die :

Billig einzukaufen sind ( LMM ca. 25€ )
Leicht zu wechseln Trotzdem mind. 1 Arbeitsstunde aufschreiben, sog. Mischkalkulation)
Und vor allem : Nicht im freien Zubehörhandel erhältlich. Dann kamm man nämlich die Preise diktieren.

Ideal für so was : LMM, ESD,

Oder man sorgt für viel Arbeit, und verbaut den ZR so, dass man beim A4 erst nach einer Stunde Arbeit überhaupt dran kommt. Und behält dieses System der Arbeitsbeschaffung für die gesamte Laufzeit des Modells bei.

Denk dir mal die 3 schlimmsten, seit Jahren bekannten TDI-Probleme weg, und es ist ein super zuverlässiges Auto. Aber wer, außer dem Kunden, will das schon.

Und bevor jetzt jemand kommt mit : Mein BMW,MB,Koreaner, Japaner etc ist da besser.
Die ganze Automobilindustrie arbeitet so


Zuletzt bearbeitet am 23-09-2003, 22:18, insgesamt 1-mal bearbeitet.
Nach oben
Gremlin
Gast




 


Kostenloser Account, kein OBD Support (VCDS, KOBD2Check)

Beitrag23-09-2003, 22:09    Titel: Die Geschichte vom Luftmassenmesser Antworten mit Zitat

@mcgregg

tja... mein alter 1.3S hatte 75PS und soff mal eben 13l super...

der 2.0i hatte 115PS und soff 10l

der 1.8T hat 150PS und säuft bei gleicher fahrweise 9l


soviel zu vergaser, stauklappen-LMM und HFM und den mitgewachsenen technologien...

dafür gibts heutzutage keine zusammengebrannten unterbrecherkontakte mehr, keine durchgebrannten kondensatoren. keine zugesetzten vergaserdüsen oder morsche dichtungen (die im vergaser ja zigfach vorhanden sind).

die 'guten alten autos' stehen hier immer noch jeden tag in der werkstatt, die gehen genauso häufig defekt wie die moderenen. es verlagern sich lediglich die defekte...
garth hat das konzept schon richtig erkannt...
früher brannten halt anfangs die zündmodule gern mal durch oder verteilerfinger brachen bis man die serie im griff hatte...

btw: das prinzip der HFM hast du nicht ganz geschnallt. stauklappe und hitzedraht messen nur konstante luftströme mit hinreichender genauigkeit. der HFM ist so schnell, dass er pulsierende luftströme erfassen kann und dank des aufbaus der sensorschicht sogar die strömungsrichtung erkennt. das ist besonders für die benzinkisten wichtig, nur so lassen sich die verbräuche noch weiter drücken, weil die lambdaberechnung noch genauer und vor allem erheblich schneller wird...

CU Gremlin
Nach oben
ulf
Profi-Schrauber
Profi-Schrauber


KFZ-Schrauber seit: 13.04.2002
Beiträge: 11139
Karma: +13 / -0   Danke, gefällt mir!
Wohnort: Saarland
2013 Volkswagen Polo
Premium Support

Beitrag24-09-2003, 19:04    Titel: Re: Gesamtkonzept Antworten mit Zitat

Lieber Leser, Du hast keine ausreichenden Rechte um weiter zu lesen, bitte melde Dich an.
Gruß Ulf
_________

Polo 6R CDLJ / PNU
Nach oben KFZ-Schrauber-Profil anzeigen Private Nachricht senden   Fahrzeuge des Benutzers ansehen
Neues Thema beginnen Auf Beitrag antworten Weitergeben, Thema teilen Lesezeichen setzen Druckansicht Dieselschrauber Community - Übersicht » Diesel - Motorentechnik
Ähnliche Fachartikel und Themen
Thema Community Bereich
Keine neuen Beiträge Luftmassenmesser / Luftmassenwerte an Benzinmotoren Allgemeine Tipps
Keine neuen Beiträge Luftmassenmesser: teure Schwachstelle an VAG - TDI Fachartikel
Keine neuen Beiträge 16488/P0104/000260 - Luftmassenmesser Fehler und Dokumentation (Audi, Seat, Skoda, VW)
Keine neuen Beiträge Motorkontrolleuchte und Gas weg. Die unendliche Geschichte. Kraftfahrzeugtechnik Allgemein
Keine neuen Beiträge Ne kleine Geschichte zum Feierabend... Kraftfahrzeugtechnik Allgemein
Keine neuen Beiträge Lucas-ESP und PÖL - ambivalente Geschichte Kraftfahrzeugtechnik Allgemein
Keine neuen Beiträge Meine Geschichte: Nockenwellen beim AFB Kraftfahrzeugtechnik Allgemein
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten.
Du kannst Dateien in diesem Forum herunterladen.